12.02.2026, 12:19
No Secrets Between Us
„Du ignorierst sie?“ Was dachte sie denn, was er tat? Etwa sich mit diesen Gefühlen auseinandersetzen? Vielleicht noch versuchen diese zu verstehen und gegebenenfalls diesen Gefühlen nachgeben? Tse, wer war er? Etwa eine menschliche Frau, die gefühlsduselig war? Also wirklich! Natürlich ignorierte er diese Gefühle, leugnete sie oder versuchte diese zu seinen Gunsten irgendwie zu verändern. Doch die große Frage, die Lilith zurecht hatte war, wie er das Ganze anstellte. “Nunja…” fing Mammon an. Er hatte eine Ewigkeit Zeit gehabt es zu lernen, aber hier brauchte es eine verdammt schnelle Lösung. “Konzentrier dich einfach auf etwas Anderes. Sex klappt ganz gut oder Folter.” Das waren die einfachsten Varianten, aber leider auch nicht immer möglich. “Tja und wenn das gerade nicht möglich ist, weil du zum Beispiel mit jemanden sprichst, dann konzentriere dich einfach nur auf ein Wort oder auf die Person selbst. Vielleicht hat sie irgendetwas an sich, was dich wütend macht oder du dich darüber lustig machen kannst.” Das war jetzt nun wirklich eher ein Crashkurs als eine detaillierte Beschreibung, aber für den Anfang könnte es dennoch nützlich sein. “Konzentriert dich einfach auf die Gefühle, die du haben willst.” Meinte er und machte dabei eine kleine Handbewegung. Wut war sicher ein Gefühl, was ihr gefallen konnte. Dennoch hatte sie Recht damit, dass es eher eine Scharlatanerie war. Aber hey, wen interessierte das schon? Mammon war bisher immer gut mit dieser Praxis gefahren. Wieso also etwas ändern, was so gut funktionierte?
“Natürlich habe ich Folterräume! Du glaubst doch wohl nicht, dass ich jemanden ohne Bestrafung davon kommen lasse, wenn er sich nicht fügen will oder seine Schulden nicht bezahlen will.” Also wirklich! Er war doch kein Anfänger! Auch Mammon hatte in der Hölle gefoltert oder eben foltern lassen und dabei genüsslich zugeschaut. Er war der Folter definitiv nicht abgeneigt und das hatte sich hier auf der Erde nicht geändert. Ihre Fragen, die danach folgten, klangen wieder danach, als würde sie glauben, dass er ein blutiger Anfänger wäre. Außerdem war er doch nicht allein. Seine rechte Hand Kisai war stets an seiner Seite. Kisai war einfach unersetzlich. Er war Mammons engster Vertrauter und er vertraute diesem zu 100%. Deshalb musste er jetzt mit hochgezogener Augenbraue sie ansehen. “Was glaubst du wohl?” Natürlich waren die Räume unten schallisoliert. Es sollte ja da oben auf der Tanzfläche keiner mitbekommen und selbst, wenn man den Keller betrat, war es durchaus unwahrscheinlich, etwas zu hören. “Weißt du was?” Meinte er plötzlich. “Sobald es geht, kannst du dich gern hier überall umschauen und von mir aus auch alles ausprobieren.” Dazu noch eine passende Handbewegung, um zu zeigen, dass er absolut nichts zu verbergen hatte. Dann sollte sie sich eben selbst überzeugen. “Nur sag mir vorher Bescheid, sonst kommst du an meine Kellermeisterin nicht vorbei. Sie nimmt ihren Job sehr ernst und das würde sonst unschön für dich enden.” Lilith würde nicht sterben, denn sie war sicher immer noch Dämonen überlegen, aber man würde ihr sicher durchaus ansehen, dass jemand sie nicht durchlassen wollte.
Moment… was? Sie gab IHM Recht? Das war wirklich etwas ganz Seltenes, sodass er nun kurz beide Augenbrauen hob. Jedoch nicht so lang, denn sie sollte bloß nicht denken, dass er so leicht zu überraschen war. Eher grinste Mammon nun überlegen. “Natürlich hab ich Recht.” Er hatte ja meistens Recht, also aus seiner Sicht natürlich gesehen. Tja und dann war sie wieder da. Die Lilith, die er kannte, die, die nicht so einfach aufgab. Ja, die Lilith gefiel ihm viel besser und so sah man ein zufriedenes Grinsen auf seinen Lippen. “Oh… also wenn es ums Ausprobieren geht… Kisai könnte dir bestimmt ein passendes Opfer besorgen.” Das war ja nun wirklich das geringste Problem, was es gab. “Tja und es gibt soetwas, wie Rollstühle, sicher auch einen, der deiner würdig ist und eher nach einem Thron aussieht, als nach einem Hilfsmittel.” Es gab sicher fähige Personen, die so etwas herstellen könnten, falls die Brillenschlangenfrau es doch nicht schaffte und es noch eine Weile dauern würde, bis Lilith wieder ihre Beine selbst richtig wieder benutzen konnte.
“Mir ist jetzt ein wenig nach Musik.” Meinte er dann und stand schließlich auf. Natürlich würde er selbst spielen und singen. Das war einfach die beste Musik. Er setzte sich auf seinen Hocker und öffnete die Tastenklappe. Dann legte Mammon seine Finger auf die Tasten und fing an zu spielen. Erst war es nur ein kleines Vorspiel ohne Gesang und dann erst hörte man seine wunderbare Stimme:
“Someday, someday
We're gonna rule the hell and world
I know someday
We're gonna rule the hell and world
Counting down to explosion
I hear the moment approaching
Someday, someday
We're gonna rule the hell and world
Waiting avalanches
Are the calm before the fall
Lightning when it flashes
Tells the story of it all
We own the future
We own the future
Our blood runs cold like we're at war
Our eyes light up like a thunderstorm
We own the future
We own the future
We own the future
Someday, someday, soon
We own the future
Someday
We own the future
Someday, someday, soon
We own the future
We're gonna rule the hell and world”
Er spielte und sang düster und teuflisch. Oh ja, es klang nach einem Versprechen. Warum aber gerade diese Worte? Nun, es war seine Art zu sagen, dass es ihm gefiel, dass Lilith hier war und sie nun ein gemeinsames Feindbild hatten. Ihren Vater und ja… wieso nur als Ziel haben die Hölle zu regieren, wenn man obendrein auch noch die Erde regieren könnte? Schließlich musste er zugeben, dass es ihm hier gefiel.

